Bei hochfrequenten Feldern sind im unmittelbaren Nahbereich
zu Sendeanlagen die thermischen
Wirkungen vorherrschend*, d.h. Erwärmungen des Körpers
bzw. bestimmter Körperteile durch Absorption elektromagnetischer
Strahlung.
Die Stärke der Erwärmung hängt einerseits von der Intensität
und Frequenz der Strahlung (je geringer die Frequenz, desto
größer die Eindringtiefe), andererseits von der Art des Gewebes,
seiner Lage im Körper und der Durchblutung ab.
Da an der Umwandlung von Strahlungs- in Wärmeenergie (Absorption)
vor allem Wassermoleküle beteiligt sind und eine schlechte
Durchblutung einer schnellen Abfuhr der erzeugten Wärme entgegensteht,
sind Organe mit einem hohen Wassergehalt und einer schlechten
Durchblutung besonders empfindlich. Hierbei ist vor allem
(zuerst) das Auge zu nennen.
Basisgröße für die Beurteilung der thermischen Wirkung von
Hochfrequenzstrahlung ist die pro Zeiteinheit im Gewebe absorbierte
Energie. Sie wird als Spezifische-Absorptions-Rate (SAR) bezeichnet.
Ihre Einheit ist W/kg. Den Ganzkörper-SAR-Wert erhält man,
wenn man die aufgenommene und umgewandelte Energie über den
ganzen Körper mittelt. Werden nur Teile des Körpers bestrahlt,
z.B. der Kopfbereich bei der Handynutzung, können sogenannte
"Hitzeinseln"
("hot spots")* entstehen, die die Verwendung lokaler oder
Teilkörper-SAR-Werte notwendig machen.
Normalerweise kann der Körper ein Zuviel an Wärme ausgleichen:
Es wird mehr Schweiß produziert, der beim Verdunsten kühlt,
die Poren der Hautgefäße erweitern sich, so dass mehr Wärme
über die Körperoberfläche abgegeben werden kann. Doch dieses
System der Temperaturregulation hat auch seine Grenzen. Zudem
kann die körpereigene Fähigkeit zur Thermoregulation nicht
nur bei Personen mit Fieber, bei Diabetikern, älteren Menschen,
sondern auch bei bestimmten Organen oder Gewebe vermindert
sein.
Eine länger anhaltende, starke Überwärmung kann den gesamten
Stoffwechsel*
und das Nervensystem durcheinander bringen. Viele chemische
Reaktionen laufen beispielsweise bei Wärme schneller ab, die
feine Abstimmung der einzelnen Stoffwechselschritte gerät
dadurch aus dem Takt. Im Augenbereich kann die Entstehung
von grauem Star und anderen Augenkrankheiten gefördert werden.
Doch wieviel Wärme ist zuviel? Aus zahlreichen Studien lässt
sich ableiten, dass eine Erhöhung der Gewebetemperatur um
mehr als ein
Grad Celsius* Gesundheitsgefährdungen nach sich zieht
und damit vermieden werden sollte. Dies bildet die Grundlage
für viele internationale und nationale Grenzwerte, wie z.B.
die in Deutschland. Kritiker monieren, dass hierbei nichtthermische,
sogenannte athermische Wirkungen, die unbestritten unterhalb
der thermischen Effekte existieren, außer Acht bleiben.
Nichtthermische Effekte (Athermische Effekte)
Bei der heftig geführten Diskussion um die nichtthermischen
Effekte, auch athermisch genannt, bei denen die Energie so
klein ist, dass sie nicht zur Gewebeerwärmung ausreicht, geht
es also nicht um deren Existenz, sondern vor allem um deren
Wirkung auf den Menschen.
Da die Wirkungsmechanismen nicht ausreichend bekannt sind,
sind die Experimente in ihren Ausrichtungen und Untersuchungsgegenständen
breit gestreut. Weil zudem die Bestrahlungsstärken und damit
die biologischen Effekte gering sind, ist es nicht überraschend,
dass die Ergebnisse oft uneinheitlich und schwer vergleichbar
sind.
Bei der Untersuchung der krebserzeugenden Wirkung von Hochfrequenzstrahlung
auf den Menschen ist man hauptsächlich auf epidemiologische
Studien angewiesen. Das heißt, man vergleicht die Häufigkeit
von Krebserkrankungen in exponierten Bevölkerungsgruppen mit
nicht-exponierten. Die schnelle Entwicklung des Mobilfunks
hat hierbei aber zu einem doppelten Dilemma geführt: Zum einen
ist es für Krankheiten wie Krebs, mit Latenzzeiten von vielen
Jahren, eigentlich noch zu früh, um aussagekräftige Ergebnisse
zu erhalten, zum anderen ist es heute durch den flächendeckenden
Ausbau der Mobilfunknetze fast schon nicht mehr möglich, die
notwendigen, unbelasteten
Bevölkerungsgruppen* zu finden.
Trotz all dieser Probleme gibt es schon recht aussagekräftige
Studien, die der Unbedenklichkeit dieser Effekte widersprechen.
Sie stellen schon unterhalb der bestehenden Grenzwerte Einflüsse
auf das Zentrale Nervensystem und auf kognitive Funktionen,
Schwächungen des Immunsystems sowie Auswirkungen auf Krebserkrankungen
fest.
Gemeinsam bei dieser Diskussion ist fast allen Parteien
wie Forschern, Instituten und öffentlichen Stellen vor
allem eines: Die wenigsten sehen sich in der Lage, klare
Aussagen über die Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer
Strahlung zu machen und so überwiegen Formulierungen
wie: "deuten
darauf hin"*, "die Hinweise verdichten sich" oder
"kann nicht mehr von einer Unbedenklichkeit ausgegangen
werden". Aus diesem Grund sehen eigentlich alle Experten
noch zusätzlichen Forschungsbedarf auf diesem Gebiet.
Und solange noch um biologische Wirkungen und verschärfte
Grenzwerte gestritten wird, können Sie sich wenigstens
zu Hause - in gewissem Maße - vor elektromagnetischer
Strahlung schützen.